"Vordergründig – Hintergründig

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    Vordergründig – Hintergründig

    • 2020 wollte Birgit mit ihrer Band „Denk“ eigentlich das 20jährige Gründungsjubiläum feiern. Corona-bedingt konnten allerdings nur wenige Konzerte gespielt werden. 2021 soll die Tour aber weitergehen. Am 30. Jänner wird die Sängerin in der Spinnerei Traun auftreten. Auch auf ORF III ist sie mit ihrer Sendung „Denk mit Kultur“ zu sehen, die im Jänner 2021 bereits in ihre 7. Staffel gegangen ist. Gemeinsam mit Alex Horstmann, Bandleader der Gruppe „Denk“, spricht Birgit in dieser Sendung über ihre Karriere.

      „Hertz“

      Zum Gesang brachte Birgit ihr ehemaliger Gitarrenlehrer Roland Neuwirth, der später selbst mit seinen Extremschrammeln für Furore sorgte. Ein wichtiger Meilenstein in Birgits Musikkarriere war dann die Gründung der Band „Hertz“, mit Birgit als Sängerin. Später stieg Alex Horstmann als Bassist in die Band „Hertz“ ein. Alex hat damals auch als Backliner und Chauffeur bei Willi Resetarits gearbeitet. Beifahrer war meist Günter Brödl, der Erfinder und sogenannte Trainer des Ostbahn Kurti. Alex spielte Brödl im Autokassettenrekorder Demos der Gruppe „Hertz“ vor. Alex wird bald zum Background-Sänger in der Ostbahn-Como befördert Und Birgit glänzt als Kurtis Duett-Partnerin.

      Von „Hertz“ zu „Denk“

      2000 entwickelten Birgit und Alex ein neues Band-Konzept: Die Gruppe Denk war geboren. Texte kamen auch von Freund Günther Brödl. Die Nähe zu Ostbahn Kurti ist bis heute in Nuancen hör- und spürbar, auch wenn das Band-Projekt „Denk“ natürlich eine musikalische Eigenständigkeit entwickelt hat. Im Oktober 2000 starb Günter Brödl. In Gedenken an den Ostbahn-Kurti-Erfinder hat Alex, das Plattenlabel „Rohscheibe gegründet.
      Seit 2000 wurde „Denk“ kontinuierlich aufgebaut, ohne Hit und vergleichsweise wenig Radioeinsätzen. Doch an der Motivation, ständig weiterzumachen hat es nie gemangelt.

      „Denk mit Kultur“

      Seit 2014 ist „Denk mit Kultur“ auf ORF III zu sehen. Dabei fällt Birgit durch eine gute Vorbereitung auf, die ihr Sattelfestigkeit gibt und die Möglichkeit bringt, ihre Gäste „unkonventionell“ zu fragen.
      Alex sorgt bei „Denk mit Kultur“ mit seinen Band-Kollegen für den Soundtrack der Sendung. Dank „Denk mit Kultur“ hat sich Birgits Popularität stark verstärkt. Dennoch ist es noch immer schwer, in ganz Österreich zu touren.

      Musikalische Sozialisation

      Birgit und Alex wurden musikalisch ab den 1970er Jahren sozialisiert. Damals war „Austropop“ en vogue. Mittels Protestsongs wurde der Jugend ein Sprachrohr gegeben. Viele Texte hatten sowohl für die Interpreten als auch für den Hörer eine Art therapeutische Wirkung und die transportierten Geschichten sind zeitlos. Ähnliches gilt für Birgits Text „Rannersdorf“.

      50. Geburtstag

      Im Mai 2021 wird Birgit in den Club der 50er eintreten. Lebenserfahrung hat sie zu Hauf gesammelt, in einigen Texten gibt die Sängerin auch kleine Anleitungen für ein glückliches Leben. Konkrete Vorstellungen zur Geburtstagsfeier gibt es noch keine. Gearbeitet wird allerdings an einem Konzert mit Freunden.

      Homepage: www.denk.at.
      Foto: Carina Antl

      (Peter Pohn)

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    • Martin Seimen und Ewald Tröbinger, die beiden Masterminds der Linzer Kultband  „Superfeucht“,  haben noch immer Lust auf Musik und vor allem auf der Bühne zu stehen. Gerade haben sie gemeinsam mit Ewald Pfleger von Opus den neuen Song „Jerusalem“ aufgenommen. Bereits in den 80er Jahren hat „Superfeucht“ einige große Hits produziert: Mit „Jetzt oder nie“ oder „Der erste Schritt“ landete die Kultband mehrere Wochen in den Ö3-Charts. 1988 löste sich die Band auf, kam zur Freude der Fans aber 2008 zurück.  Unsere Verbissenheit von damals ist heute nicht mehr so groß, erklärt Martin, eine gewisse Lockerheit gehöre schließlich auch zum Erfolg, der noch immer anhält.

      2017 organisierten die Linzer erstmals ein 80s-Revival auf dem Linzer Pfarrplatz. Mit dabei waren damals österreichische Top Acts der 80er Jahre, wie Minisex, Klaus Pruenster und natürlich Mr. Hitparade Udo Huber. Gemeinsam erinnerten sie sich an die 80er Jahre zurück, die sie mit ihrem Wegbegleiter Falco verbindet. 1985 spielte etwa Superfeucht im Vorprogramm von Falcos Europatour „Amadeus“.

      Auf Tournee mit Falco

      Die Falco-Band bestand aus exzellenten Musikern, erinnert sich Superfeucht-Frontman Ewald Tröbinger. Sie hätten gewusst, wie der Falco-Sound im Konzert rüberkommen muss. Anfangs der 80er Jahre spielte Falco in der Anarcho-Band Drahdiwaberl rund um Stefan Weber. Bei Drahdiwaberl-Konzerten bekam der kommende Star bereits die Chance, seinen späteren Hit „Ganz Wien“ zu spielen. Ewald und Martin waren bei einem Konzert in Salzburg dabei.  „Falco muss es selbst machen“, meinte Martin damals.

      Anfang der 80er Jahre arbeitete eine weitere 80er-Ikone, Reinhold Bilgeri, mit Falco zusammen. Er überließ ihm sogar die Musik zu dessen Einstiegshit „der Kommissar“. Gemeinsam mit dem Topproduzenten Robert Ponger schrieben sie an Liedern. Damals schenkte Bilgeri Ponger eine LP von Ricky James mit dem Titel „Super Freak“. Die Bass-Line daraus gab den Impuls für Falcos ersten Hit „Der Kommissar“.

      Auch Rudi Nemeczek von „Minisex“ kannte Falco gut. Er hätte immer wieder versucht, sich neu zu erfinden, so Nemeczek. An Falco sehe man, wie hart das mediale Geschäft ist. „Als er keine Massenhits mehr hatte, wurde er hängengelassen“, sagt der Minisex-Mastermind. Auch wenn er immer gute Platten machte, wurde Falco erst nach seinem Tod wieder vermehrt im Radio gespielt. Kritiker kommentierten Falcos Absturz teils mit Schadenfreude. Udo Huber erklärt diese Tatsache mit der österreichischen Mentalität und der Wertigkeit seiner Künstler: „Wer hoch fliegt, wird bald heruntergeholt.“

      Musik-Videos, MTV und die „Großen Zehn“

      Die 80er Jahre waren auch die große Zeit des Musiksenders MTV. Plattenlabels leisteten sich teure Videos für ihre Stars.  Besonders aufwendig war das Video zu Michael Jacksons Hit „Thriller“. In Österreich präsentierte Udo Huber in seiner ORF-Sendung „Die großen 10“ Videos. „Damals waren Musikvideos etwas Besonderes. Heute kann auf Youtube permanent jedes Video gesehen werden“, so  Udo Huber.

      Zu Udos Markenzeichen wurde damals ein Overal, auch wenn er gar nicht so oft einen getragen hätte, behauptet er heute: „Ich habe am Anfang meiner Fernsehkarriere nicht gewusst, was ich anziehen soll.“  Als er dann in Linz Roger Chapmann sah, der bei einem Konzert auch einen Overal anhatte, kopierte er diese Idee.

      Neben der Vorstellung der Charts wurden in die „Großen 10“ auch Gäste eingeladen, darunter Superfeucht. „Es war kein Nachteil, nicht aus Wien zu sein“, meint Ewald. Die Band versucht 14tägig Medientermine in Wien wahrzunehmen. „Die großen 10“ wurden auch über Österreichs Grenzen hinaus gesehen. „Wenn du beim Udo warst, hast du es geschafft und warst sehr präsent“, erinnert sich Rudi Nemeczek.

      Auch Minisex bekam mehrmals die Chance, in den „Großen 10“ dabei zu sein. „1989 hatte diese Sendung noch eine Einschaltquote von 1 Million“, erinnert sich Udo Huber. Heute könne das Publikum nicht mehr mit wenigen Auftritten erreicht werden.  Künstler müssten viel mehr arbeiten, damit Menschen erreicht würden.

      New Wave in Österreich- ein Umbruch

      Mit Falco, Minisex und dem Rest der österreichischen New Wave-Szene, zu der sich auch Superfeucht zählt, bekamen in der ersten Hälfte der 80er Jahre die bewährten Austropopper rund um Wolfgang Ambros, Georg Danzer oder Peter Cornelius Konkurrenz.  Es kam zu Platz-Hirsch-Kämpfen in den Medien. Superfeucht kannte damals sämtliche Acts der österreichischen Popmusik. Eine besondere Freundschaft verband die Linzer mit Wilfried, den sie als Produzent, unter anderem für ihren Hit „Jetzt oder nie“, gewinnen konnten.

      Die New Wave-Szene in Österreich anfangs der 80er Jahre war also ein Umbruch.  Popmusik „Made in Austria“ sollte international erfolgreich werden.  Minisex hatte mit „Rudi gib acht“ und „Eismeer“ in Österreich zwar große Hits, ihre Veröffentlichungen in Schweden, Norwegen und Dänemark, floppten aber. Und live kam die Band über den deutschsprachigen Raum auch nicht hinaus.

      Minisex betrieb in jenen Jahren allerdings ein eigenes Platten-Label, wo Hansi Lang und auch die Hallocination Company oder Tom Pettings Herzattacken, rund um den späteren Radio-Moderator Eberhard Forcher, produziert wurden. Bekanntlich schaffte Hans Hölzel, alias Falco, mit „Rock me Amadeus“ den großen internationalen Durchbruch, flankiert von Opus mit „Live is Life“.

      Erdenklang

      Der Vorarlberger Musiker Klaus Pruenster gilt als Miterfinder der „computerakustischen Rockmusik mit Erdenklängen“, die er bei internationalen Musik-Projekten anlässlich des Elektronik-Festivals „Ars Electronica“ in Linz weiterentwickelte. 1982 gelang ihm der Hit „Wunderwelt“. Für sein Werk wurde Pruenster bereits ausgezeichnet. Nach dem Professorentitel wurde er 2017 auf dem Walk of Stars im Wiener Prater verewigt.

      „60 ist das neue 40“

      Für die Bühne fühlt sich Rudi Nemeczek noch nicht zu alt. „60 ist das neue 40“, meint er. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre hat sich die Band aufgelöst. Nemeczek arbeitete dann als Kreativdirektor in Werbeagenturen. 2014 haben Minisex das letzte Album auf den Markt gebracht. Erinnerungen sind etwas Positives, wenn man nicht rückständig denkt, meint Rudi. Udo Huber gilt als Kultmoderator der 80er Jahre. Nach dem Ende seiner Fernsehmoderatorentätigkeit feierte er 2007 mit der Sendung  „The Return of Mister Udo Huber“ ein Comeback. Revivals findet er schön: „Wir sind nicht von gestern sondern trendy.“

       

      (Peter Pohn)

       

       

    • 2019 hat der Oberösterreicher mit „Alles Leben dieser Erde“ sein bereits 35. Studioalbum auf den Markt gebracht. Es beinhaltet zahlreiche neue Songs aber auch Neuaufnahmen seiner größten Hits.

      Das Interview mit Waterloo entstand in seinem Geburtsort Altheim, im oberösterreichischen Bezirk Braunau. Hier ist er als Geburtstagüberraschung für einen langjährigen Fan gebucht worden. Egal ob Konzertsaal oder Geburtstagsfest im Gasthaus, dem Sänger ist keine Location zu groß oder zu klein. Noch immer hat der gebürtige Innviertler  100 Auftritte pro Jahr.

      Rund vier Stunden ist Waterloo von seinem neuen Wohnort Mörbisch nach Altheim gefahren. Mit im Gepäck hat er natürlich sein aktuelles Album „Alles Leben dieser Erde“.

      Es ist ein starkes Statement für Frieden, Freiheit, Respekt und Verantwortung, erklärt Waterloo:

      Knapp zwei Jahre hat es gedauert, bis das neue Album fertig war. Inspirationen für seine neue CD hat Waterloo auf zahlreichen Reisen sowie durch seine bewusste Lebenseinstellung gesammelt. Einige Songs wurden von Musiker-Kollegen wie Klaus Pruenster, Gary Lux oder „Supermax“ Kurt Hauenstein beigesteuert. Hauenstein schrieb zum Beispiel den Titelsong „Alles Leben dieser Erde“. Produziert wurde das Album im PlanetM Studio von Martin Seinmen und Gery Moder in Traun, nahe Linz.

      Über 50 Jahre dauert die musikalische Karriere des Oberösterreichers bereits an. Der Startschuss dazu erfolgte in Altheim, wo noch heute einige Familienmitglieder leben. Und zwar Cousinen, ein Onkel und die mittlerweile 95-Jährige Mutter. Zeit für einen Besuch der Verwandtschaft bleibt im Zuge seines Gastspiels im Innviertel allerdings keine.

      Seinen Vater bezeichnet der heute 75jährige Sänger als seinen besten Lehrmeister. In den frühen 60er Jahren durfte ihn der junge Hansi auch einmal nach Linz begleiten.

      Doch Vater Kreuzmayr will nicht nur, dass sein Sohn um Zigaretten einen weiten Bogen macht. Er versucht, seinem Sohn auch eine wertschätzende Behandlung von Frauen zu vermitteln.

      Waterloos Vater ist es auch noch vergönnt, den Aufstieg seines Buben zum internationalen Star mitzuerleben. Er stirbt 1976, also im selben Jahr, in dem „Waterloo und Robinson“ beim Song Contest für Österreich den 5. Platz holen. Noch bevor sich der große Erfolg eingestellt hat, mahnt  der Vater seinen Sohn, er möge doch auch einen Brotberuf ergreifen.

      Dem Vater gehorchend, wird Hans Kreuzmayr Tischler, Innenarchitekt und später Kaufmann. In seiner Freizeit macht er bereits Musik und hat zahlreiche regionale Auftritte. Nach seiner Zeit in der Möbelbranche führt Hans ab 1969 in Linz die Damenboutique „Eclisse“. Das Geschäftslokal dafür findet er unmittelbar nach seiner Kündigung als Raumgestalter am Linzer Hauptplatz. Noch am Abend der Kündigung mietet er das Lokal.

      Auf der Suche nach Mitarbeitern für seine Damenboutique lernt der Sänger seinen langjährigen Gesangspartner Sepp Krassnitzer kennen. Der spätere Robinson lässt sich zu dieser Zeit gerade zum Grafiker ausbilden.

      Gemeinsam gründen sie die Band „Waterloo & Robinson“. Daneben wird die Auslage dekoriert. In Waterloos damaligem Wohnhaus entstehen die ersten Songs, die Ö3 vorerst aber ablehnt.

      Es handelt sich dabei um die damalige Ö3-Moderatorin Evamaria Kaiser, die anfangs der 70er Jahre österreichische Musiker fördert. 1971 folgt dann der Durchbruch: Waterloo und Robinson gelingt mit „Du kannst sehen“, einem Lied über ein blindes Mädchen, der erste Hit in Österreich. Daraufhin lädt Evamaria Kaiser die beiden in ihre Sendung „Show-Chance“ ein.

      „Du kannst sehen“,  mit diesem Lied belegen Waterloo und Robinson den dritten Platz bei der ORF Talente-Show „Show-Chance“ und werden mit ihrem ersten Hit zu Mitbegründern des sogenannten „Austropops“. Es folgt „Lili’s Haus“ und mit „Baby Blue“ der erste Europa-Hit.

      Bald wird auch der Komponist Christian Kolonovits auf das Pop-Duo aufmerksam. Er schreibt und produziert mit „Waterloo und Robinson“ den Welthit „Hollywood“. In Österreich belegen die beiden Sänger ab Juni 1974 mit „Baby Blue“ und „Hollywood“ bis Ende des Jahres abwechselnd die Plätze 1 und 2 der Ö3-Hitparade, die damals noch eine Postkarten-Hitparade ist.

      Da die Fans unermüdlich Postkarten für „Waterloo und Robinson“ an die Ö3-Hitparade senden, schafft Ö3 mit Beginn 1975 die Hitparade ab.

      Erst 1980 kommt die Wertung mit verändertem Reglement zurück. „Unsere Musik war handgemacht“, erinnert sich Waterloo noch heute gerne an diese Zeit zurück.

      Der große Erfolg stellt Hans Kreuzmayr vor eine schwierige berufliche Entscheidung. Neben seinem musikalischen Aufstieg ist er auch als Geschäftsmann erfolgreich.

       1976 folgt der erste große internationale Show-Auftritt: Waterloo und Robinson vertreten Österreich mit „My little world“ beim Song Contest in Den Haag. Neben dem Lied ist vor allem ihre damalige Kleidung in Erinnerung geblieben.

       „My Little World“ enthält eine musikalische Botschaft, die noch heute Gültigkeit hat, so Waterloo.

       Nach dem Song Contest verlagert sich der Erfolg immer mehr nach Deutschland. Als zum Beispiel 1979 „Ich denk noch oft an Marianne“ erscheint, bleibt dieses Lied in Österreich relativ unbeachtet. In Deutschland erreicht der Song über Prostitution hingegen bald Gold-Status. In dieser Zeit sind „Waterloo und Robinson“ auch Dauergäste in den großen Abendshows von Peter Frankenfeld, Vico Torriani, Lou van Burg oder Hans Rosenthal. Besonders Dieter Thomas Heck, der ZDF-Hitparaden-Kultmoderator, fördert die beiden.

      Hauptsächlich singen „Waterloo und Robinson“ in englischer Sprache. Nicht zuletzt weil sie RCA Records unter Vertrag genommen hat. Ebenfalls werden zu diesem Zeitpunkt die Platten von Harry Belafonte, David Bowie oder Elvis Pressley von dieser Plattenfirma vermarktet.

      Der Erfolg ist damals nicht die große Motivation weiterzumachen, vielmehr ist es die Freude an der Musik.

      1979 nehmen „Waterloo und Robinson“ für Ö3 den Jingle zur Ferien-Sendung „Radio Holiday“ auf, der bis heute gespielt wird und im Laufe der Zeit Kultstatus erreicht hat. Doch ab Anfang der 80er Jahre bleiben in Österreich für Kreuzmayr und Krassnitzer die Erfolge aus, was zu Unstimmigkeiten führt.  Es wird auch über einen Wechsel des Musikstils diskutiert.

      Versuche im Stile der österreichischen Singer-/Songwriter Erfolge einzufahren, scheitern.

      1981 trennt sich das Pop-Duo. Hans Kreuzmayr findet nach der Trennung von Waterloo & Robinson mit „Im Land das Ewigkeit heißt“, wieder den Weg auf die Erfolgsspur, auch in die heimischen Charts. Der Song ist ein Cover des Vangelis-Hits „I´ll find my way home“.

      „Im Land das Ewigkeit heißt“, Waterloos Comeback-Hit aus 1982. Eine Neuaufnahme befindet sich auf seinem aktuellen Album „Alles Leben dieser Erde“. Anfang der 80er Jahre folgen mit „Freiheit“ oder „Impossible Dream“ weitere Hits. In Deutschland erhält er als erster Österreicher eine Auszeichnung als bester deutscher Sänger. In den 80er und 90er Jahren tritt Waterloo vermehrt auch hinter dem Eisernen Vorhang auf. In der DDR spielt er sogar mit Big Band.

      So erfolgreich er im Beruf auch ist, privat muss Hans eine Niederlage wegstecken. Auch seine zweite Ehe geht in die Brüche.

      Doch 1999 lernt Waterloo seine dritte Ehefrau kennen. In dieser Zeit verkörpert er gerade bei den Karl-May-Festspielen in Winzendorf den Winnetou.

      Die Verwandlung von Waterloo in Winnetou wird zu einem großen Erfolg, obwohl ihm Kritiker anfangs nicht zutrauen, spektakulär reiten zu können. Doch gerade die Zeitungsartikel sind es, die viele Zuschauer auf das Festspielgelände locken.

      Anfang der 90er Jahre bekommt Waterloo auch die Gelegenheit, einige Zeit in einem Indianer-Reservat in Nordamerika zu verbringen, was seine weitere Musik stark beeinflusst. Es folgen seine „indianischen“ Alben.

      Neben den musikalischen Inspirationen wird durch Waterloos Erlebnisse bei den Indianern auch seine Liebe zur Natur verstärkt.

      „Reservation Cowboy“, ein Titel aus Waterloos Album „Indian Summer“ aus dem Jahre 2012. Neben indianischen Lebenswelten haben es Kreuzmayr auch die Menschen in Afrika angetan. Seinen aktuellen Wohnort in Mörbisch nennt er deshalb gerne „Little Africa“. Hier lebt er gemeinsam mit Frau Andrea in seiner „eigenen kleinen Welt“.

      Hans Kreuzmayr, alias Waterloo ist Vater von 5 Kindern. Außerdem hat er mit Dana eine Enkeltochter, die ihn bereits zum Urgroßvater gemacht hat. Seine Freiheitsliebe versucht er seinen Nachkommen weiterzugeben.

      Waterloo macht die Musik, die ihm gefällt, auch wenn er damit nicht mehr so wie einst Millionen von Tonträgern verkauft. Seine Freiheitlebt er auch in seinem Aussehen aus.

      Anerkennung kommt mittlerweile auch aus der Politik: 2018 wird Waterloo von Landeshauptmann Thomas Stelzer die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich verliehen. Doch im Vordergrund stehen für den Sänger Publikumspreise. So erreicht Waterloo Platz 4 bei Dancing Stars. Diesen Erfolg hat er fast ausschließlich dem Publikums-Voting zu verdanken. Privat steht seine Familie voll hinter ihm, besonders Gattin Andrea. Geheiratet wurde auf indianisch. „Das schweißt zusammen“, ist sich der Sänger sicher.

      Waterloo ist also privat wie auch beruflich erfolgreich. Doch was ist in der Zwischenzeit aus „Waterloo und Robinson“ geworden? 2002 haben die beiden ein Cover des Opus-Hits „Live is Life“ auf den Markt gebracht und sind damit für sieben Wochen in den österreichischen Charts gelandet. Doch Mitte 2007 ist ihr Comeback schon wieder vorbei. 2015 kommt es im Rahmen des in Wien ausgetragenen Eurovision Song Contests noch zu einigen Spezial- und Fernsehauftritten.

      Solo möchte Waterloo also auch noch in den kommenden Jahren auf der Bühne stehen.

      Ja, und damit sind wir am Ende eines vordergründig-hintergründigem Porträts über den Sänger Waterloo. 2019 hat er mit „Alles Leben dieser Erde“ sein bereits 35. Studioalbum herausgebracht und am 27. November 2020 feiert er seinen 75. Geburtstag.  Weitere Informationen über Waterloo erhalten Sie auf der Homepage des Sängers unter www.waterloo.at.

      (Peter Pohn)

    • Als Beda sein Soloprojekt gestartet hat, war ihm klar, dass er aufgrund seines Dialektes überregional wahrscheinlich kaum verstanden werden wird. „Das war mir egal“, erzählt er, er brauche ja nicht die ganze Welt mit seinen Liedern erobern. Bei einem großen Konzert in Dortmund hat Beda aber gemerkt, dass zumindest seine Musik international verstanden wird.

      „Warte nicht, mache es jetzt und nicht morgen“

      Seine musikalische Basis holte sich der Mühlviertler in der Musikhauptschule Freistadt. „Hier wurde viel gesungen und wir nahmen sogar CDs auf“, berichtet Beda. Daneben lernte er Gitarre und übte auf seiner Zieharmonika, also der „Quetschn“, wie das Instrument im Dialekt genannt wird. Nach der Pflichtschule wollte der Musiker eine Lehre beginnen, entschied sich aber doch dazu die Matura zu bestehen und zwar im Linzer Stiftergymnasium. Hier lernte er seine Kollegen vom Vokalensemble LALÁ kennen. Mit ihnen hat Beda bereits viele Konzerte absolviert, bis er eines Tages den Entschluss fasste, selbst Lieder zu schreiben. „In einer Gruppe muss man Kompromisse suchen, um einen Konsens zu finden“, erklärt er. Deshalb startete er neben dem Chor-Projekt auch solo durch.

      Schubladen

      Beda verbindet Reggae mit traditioneller Volksmusik und Pop, ist also sehr vielseitig. Wenn es dennoch jemand schafft, ihn in eine musikalische Schublade zu stecken, ist das dem Musiker nur recht.

      Bereits als Kind hat Beda „Quetschn“-Unterricht bekommen. „So ganz traditionell, mit Polka und Walzer“, erzählt er. Dann sei bei ihm die „Sturm und Drang“-Zeit gekommen und er hat die Quetschn weggelegt.  „Ich konnte mich als Jugendlicher einfach nicht mehr mit diesem Instrument  identifizieren“, erklärt er.

      Beda liebt es, Texte im Dialekt zu schreiben. „Der Dialekt ist weich, dadurch besser zu singen und obendrauf gibt es noch mehr Ausdrücke“, erklärt er. Den Ausdruck „Fesche Gredl“ hat Beda von seiner Oma gehört und gleich daraus ein Lied gemacht.  „In einer halben Stunde war dann der Song, angelegt als flottes Reimspiel, fertig“, erzählt er.

      In seinen Texten spielt Beda auch mit der Zweideutigkeit von Begriffen. Beim Titel „Marie“ zum Beispiel erkennen viele nicht sofort, worum es in diesem Lied inhaltlich eigentlich geht. Die meisten denken an eine Frau, die in einem Liebeslied besungen wird. „Ja, der Song hat schon mit Liebe zu tun“, erklärt Beda, „allerdings besinge ich die Liebe zum Geld“. Für Geld würden viele Menschen auch ihre persönliche Freiheit aufgeben, ohne es zu merken, beobachtet Beda.

      „Kein Austropop“

      Zu Beginn seiner musikalischen Laufbahn kann der „Quetschen-Liedermacher“ keinen Bezug zu österreichischen Popmusikern finden. „Meine Musik ist kein Austropop“, sagte er damals. Großes Vorbild in jenen Jahren ist Hubert von Goisern. Beda macht sein eigenes Ding, er fühlt sich auch keiner Szene verbunden.

      Beda mit Palme sucht auch den Kontakt zu anderen Musikern oder Musik-Genres.
      2019 spielte er mit den Blech Brass Brothers in Ort im Innkreis beim „Woodstock der Blasmusik“ auf. Seine Lieder hat er als Bläsersatz arrangiert. Es war für den Multiinstrumentalisten das erste Mal, vor 60.000 begeisterten Fans aufzutreten. Aufgrund des großen Zuspruchs soll die Kooperation weitergehen.

      Musik als Therapie

      Auf der Bühne fühlt sich Beda mittlerweile pudelwohl, wie er sagt, doch das war nicht immer so. In seiner ersten Phase als Solo-Künstler hatte Beda einige Enttäuschungen zu verarbeiten.

      Für Beda ist Musik eine Art Therapie. Themen oder Botschaften, die er wahrscheinlich in einem Gespräch nicht so gut rüber bringen könnte, wie er meint, transportiert der Liedermacher in Form von musikalischen Botschaften. Aus der Kreativität wächst die ständige Kraft, weiterzumachen.

      Mit seiner, von der „Quetschn“ geprägten Musik, erreiche Beda ältere Generationen. Mit den kritischen Texten, spreche er ein jüngeres Publikum an. Ich bin eher der kritische Typ, schätzt sich Beda selbst ein. Er  mache sich demnach viele Gedanken, was in der Gesellschaft gut oder schlecht läuft. Mit seinen Liedern möchte er sein Publikum unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregen. Ein Spagat, der nicht immer einfach ist. Inspirationen für Texte kommen vor allem durchs Lesen.

      „Mitleid bekommst Du geschenkt, Neid musst du Dir verdienen“

      Sein erstes Solo-Konzert spielte der Sänger 2011 in Wels. Damals präsentierte er eigene Lieder mit Gitarre, allerdings war er noch ohne Palme unterwegs. Beda bezeichnet diesen Auftritt als Niederlage, denn im Publikum befanden sich nur drei Burschen. Es waren allerdings seine besten Freunde.

      „Mitleid bekommst Du geschenkt, Neid musst du Dir verdienen“, so lautet Bedas Motto, an das er sich seit dieser Zeit hält. Als Musiker überleben zu können, ist nicht einfach. Es gebe zwar sehr viele die Schreiben, sich aus dem Proberaum aber nie heraustrauen“, erklärt Beda. Zudem sei der Markt heiß umkämpft.

      Sein Werdegang als Livekünstler ließ Beda hart werden. Das müsse er auch sein, erklärt er, denn mit seinen Liedern gibt er viel von sich preis und wird daher angreifbar. Beda schreibt ständig an neuen Songs. Nicht alle kommen sofort auf ein Album oder werden live vorgestellt. Er lässt sie reifen.

      Zu beinahe jedem Song auf dem Album „Quetschnroots“ gibt es ein Video, das auf Youtube zu finden ist. Das Lied „Schware Göd“, entstand wieder in Kombination mit den Blech Brass Brothers, die natürlich auch im Video zu sehen sind. Und Stabführer ist: natürlich, da Beda.

      Die Palme

      Es kursieren ein paar Geschichten, wie Beda zu seinem Künstlernamen kam. Gern erzählt er die einzig Richtige: Die Idee zu seinem Künstlernamen kam Beda im Wohnzimmer. Er überlegte, wie er sich die Bühne einrichten könnte, um sich wohlzufühlen. Eine Palme musste her, die dann nach und nach zum Markenzeichen wurde.

      Mit „Daunzn“ hat Beda eine Nummer auf das Album gepackt, die er in Konzerten schon live gespielt hat. Sein Publikum ist bei diesem Song immer begeistert mitgegangen. Nun wollte er daraus etwas ganz Besonderes machen und hat deshalb den Song zu einem Berliner Produzenten geschickt, der sich auf Reggae spezialisiert hat. Geworden ist daraus ein Song mit traditionellem Thema im modernen Sound. „Viele Menschen glauben, die meisten Jugendlichen tanzen nicht mehr“, sagt Beda. Weit gefehlt, sie machen es, nur halt anders.

      „Bin Mühlviertler geblieben“

      Wolfsegg am Hausruck ist Bedas Wahlheimat. Ursprünglich kommt der Musiker aus dem Mühlviertel. Ins südliche Hausruckviertel brachte ihn die Liebe … Eigentlich ist er ja auch überzeugter Mühlviertler geblieben, wie er sagt. Freistadt bezeichnet der 30jährige Musiker als Stadt seines Herzens und die Altstadt sei für ihn ein Juwel.

      Auch wenn der Musiker als Multiinstrumentalist gelten kann, sieht er sich als Sänger. Beda spielt Ziehharmonika, Gitarre, Melodica, Mundharmonika, Trompete und Klavier. Es gibt aber noch weitere Instrumente, die er gerne lernen würde. Zum Beispiel Cello oder Dudelsack.

      Beda ist es wichtig, seinen Musikstil immer wieder zu verändern. Verschiedene Variationen seiner Musik sind besonders am aktuellen Alben „Quetschnroots“ zu hören. „Marie“ und „“Daunzn“ sind eindeutig Reggae-Nummern erklärt er. „Schware Göd“ und „fesche Gredl“ sind Zeugen seiner Volksmusikalischen Wurzeln. Und „Es is gaut“, zeigt seine Freude an Pop-Musik.

      Weitere Informationen über den „Bio-Akustischen-Dialekt-Volks-Reggae“-Musiker gibt´s auf Bedas Homepage unter, www.mit-palme.at.

      (Peter Pohn) 

    • Dass am Red Bull Ring in Zeiten von Corona überhaupt ein Rennen gestartet werden kann, ist auch Franz Schreiners Verdienst. Der Linzer Zivilingenieur half mit seinem Gutachten, dass nach langer Zeit bei einer Motorsportveranstaltung die Ampel wieder auf Grün geschaltet werden kann.

      Als Gutachter ist Schreiner Bindeglied zwischen den regionalen Behörden, die Gesetze und Regeln vorgeben und dem Renn-Veranstalter am Red Bull Ring. Der Linzer muss kontrollieren, ob die Vorgaben auch eingehalten werden. Vorwiegend ist der 76jährige für die Sicherheit abseits der Strecke verantwortlich. Auch wenn an beiden Rennwochenenden 2020 in Spielberg keine Zuschauer zugelassen sind, waren im Vorfeld der Rennen viele Fragen zu klären, erinnert sich der Gutachter.

      Gravierende Unterschiede

      Der gravierendste Unterschied ist heuer neben den leeren Rängen, dass alle am Ring Beschäftigten eine Maske tragen und einen 2-Meter-Abstand einhalten müssen. Dies sei besonders in den Boxen schwierig, erklärt Schreiner. Die Teams sind getrennt untergebracht, damit keine Cluster-Bildungen entstehen können. Logistisch wurde darauf geachtet, dass sämtliche Arbeitsschritte auf kürzestem Weg zu erledigen sind und somit auch die Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Die Versorgung erfolgt über ein zentrales Catering. Am 24. Juni ist die Genehmigung für beide Rennwochenenden am Red Bull Ring erteilt worden. Nun kommen bereits weitere Anfragen von Veranstaltern, zum Beispiel aus Silverstone, wo ebenso wie in Spielberg zwei Rennen gefahren werden.

      Formel 1 – Veranstalter bauen auf Spielberg-Erkenntnisse auf

      Die Formel 1 baut auf jene Erkenntnisse, die in Spielberg gewonnen werden, auf. Hier wurde zwei Monate lang intensiv daran gearbeitet, um Rennen zu ermöglichen. Die Situation habe alle Beteiligten ins Schwitzen gebracht, so Schreiner. Selbst wenn während der beiden Rennwochenenden ein Corona-Fall auftreten würde, kann die Formel 1-WM weitergeführt werden. Sollte innerhalb eines Rennstalls ein Mitarbeiter erkranken, wird mit ziemlicher Sicherheit das gesamte Team von der WM ausgeschlossen, meint Schreiner. Das letzte Wort habe dabei aber die medizinische Kommission, in Abstimmung mit den jeweiligen Behörden in den Ländern. An einem gewöhnlichen Rennwochenende in Spielberg sorgt der Ziviltechniker Schreiner vorwiegend für die Sicherheit abseits der Rennstrecke. Es gibt Regeln, Verordnungen und Richtlinien, die überprüft werden.

       Jochen Rindt – mit Enthusiasmus und Ausstrahlung zum Erfolg

      Die Formel 1-Weltmeisterschaft geht heuer bereits in ihre 70. Saison. Im August 1970, also vor 50 Jahren, wurde das erste Rennen am Österreichring ausgetragen. Es war eine Zeit, in der jährlich mehrere Todesopfer unter den Fahrern zu beklagen waren, weiß Schreiner. Dennoch scheuten die Piloten das Risiko nicht. Einer der jungen Wilden von damals war der Österreicher Jochen Rindt. Aufgrund seiner Ausstrahlung wurde er zum Idol einer ganzen Generation. Die Verbreitung der Formel 1 war früher bei weitem nicht so groß wie heute, weiß Schreiner, aber es entstand dennoch eine große Begeisterung für diesen Sport.

      Im September jährt sich der tödliche Unfall von Jochen Rindt bereits zum 50. Mal. Er war der erste Österreicher in der Formel 1 und wurde posthum zum Weltmeister. Im Abschlusstraining zum Grand Prix von Italien in Monza, am 5. September 1970, brach bei seinem Lotus die vordere rechte Bremswelle und der Wagen prallte mit voller Geschwindigkeit in die Leitplanke. Rindts Tod erschütterte eine ganze Nation. Der Lotus-Pilot hatte den damals neuen 6-Punkt-Sicherheitsgurt nicht korrekt angelegt, da er befürchtete, bei einem Feuerunfall nicht rechtzeitig aus dem Auto kommen zu können. Sein Wagen brach in zwei Teile, deshalb ragten Rindts Beine ins Freie. Die Wucht des Aufpralls hat ihn gegen das Lenkrad geschleudert. Laut Aussagen von Ärzten starb der Rennfahrer an einer zerrissenen Luftröhre und einem eingedrückten Brustkorb.

      Unfälle lösen Lerneffekt aus

      Heute ist ein Formel 1 – Auto dank Kohlefaser-Cockpit derart stabil und die Sicherheitsmaßnahmen  für die hohen Geschwindigkeiten so berechnet, dass der Fahrer unter normalen Bedingungen selbst schwerste Unfälle übersteht. Seit 1963 überprüft der Dachverband des Automobilsports, kurz FIA, die Sicherheit der Rennstrecken, allerdings nicht in dem Ausmaß von heute, erklärt Schreiner, der seit den späten 1950er Jahren den Motorsport verfolgt. Damals gab es noch keine Sicherheitsbestimmungen.

      Laut Schreiner hätten Unfälle, wie jene von Jochen Rindt, Niki Lauda oder Ayrton Senna einen Lerneffekt ausgelöst. Bereits Ende der 1960er Jahre führte die FIA Überrollbügel und feuerfeste Rennanzüge ein. Nach dem Rindt-Unfall wurden die Cockpits ständig verstärkt und ein medizinischer Dienst an der Strecke vorgeschrieben. In den 1980er Jahren setzten dann Konstrukteure nach und nach Kohlefaser ein und auch die ersten Crashtests wurden gemacht. Datenschreiber waren dann die große Errungenschaft der 1990er Jahre. Nun gibt es auch Sensoren in Renn-Anzügen, mit denen während des Rennens der körperliche Zustand des Fahrers überwacht wird. Außerdem ist der Kopfschutz stetig verbessert worden. Als den Brasilianer Felipe Massa 2009 beim Qualifying zum GP von Ungarn eine Stahlfeder unmittelbar über dem linken Auge traf, wurde der Cockpitschutz HALO eingeführt, der verhindern soll, dass Gegenstände in das Cockpit hineinfliegen können.

      Sicherheitsmaßnahmen am Red Bull Ring

      1987 wurde der Grand Prix von Österreich aufgrund von mehreren Startkarambolagen aus dem Rennkalender gestrichen. Auf Basis der vielen Erkenntnisse, die im Laufe der Zeit gewonnen und umgesetzt wurden, ist der Red Bull Ring heute wieder eine sehr sichere Strecke. Eine große Hilfe bei der Weiterentwicklung von Sicherheitsmaßnahmen seien seit rund 30 Jahren Computersimulationen, so Schreiner. Die Simulationen geben vorwiegend Auskunft darüber, wie lange das Fahrzeug benötigt, bis es zum Stillstand kommt. Außerdem wird gemessen, wie groß die Aufprallgeschwindigkeit an den Schutzvorrichtungen, also den Barrieren ist. Heute dürfen die Piloten in den Boxen nur mehr 60 Km/h fahren. Schutz für Zuschauer bieten die FIA-Zäune, die nach oben hin mit einer Abschrägung versehen sind. Somit können Reifen, Autoteile oder ganze Autos nicht in den Zuschauer-Bereich fliegen. Es gibt auch eine Draht-Konstruktion welche die Räder mit dem Auto verbindet und sie somit am Wegfliegen hindert. Ein Herzstück modernster Technik ist in Spielberg das Race Control Center. Hier werden auf rund 20 Bildschirmen die Aufnahmen der zahlreichen Kameras entlang der Strecke gesichtet. Es ist möglich, den gesamten Kurs einzusehen. Nicht mehr wegzudenken sind auch die verpflichtende Anwesenheit von Hubschraubern, sowie ein Krankenhaus mit Not-Operationsmöglichkeit an Ort und Stelle. Verbesserungen im Bereich Sicherheit können nur im Kollektiv entschieden werden. In den diversen Gremien befinden sich sowohl Hersteller als auch Gutachter sowie Vertreter der Landesverbände.

      Neben dem Sicherheitsdenken haben sich auch die Fahrertypen verändert: Aus den Gladiatoren von einst sind mehr und mehr „Taktik-Tüftler“ geworden. Wegen des minimierten Risikos und den neuen Fahrertypen verliere die Formel 1 an Attraktivität, so Schreiner. In den 1970er Jahren ist es dem britischen Manager Bernie Ecclestone gelungen, die Königsklasse des Motorsports an die Spitze zu bringen. Den Zuschauer-Schwund der letzten Jahre konnte Ecclestone allerdings nicht verhindern. Auch die aktuelle Vermarktungsfirma Liberty Media habe noch kein Rezept gegen die nachlassende Attraktivität gefunden.

      Formel E kann Formel 1 nicht überholen

      In der Formel E stehen noch weniger die Fahrer als Gladiatoren im Mittelpunkt, denn auch Fans können ins Renn-Geschehen eingreifen. Laut Schreiner nehme die elektronische Rennformel eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung von E-Autos ein. Der Zivilingenieur geht davon aus, dass in den nächsten Jahren, in punkto Attraktivität, keine Parallelformel die Formel 1 verdrängen kann. Das sehe man alleine schon an den Zuschauerzahlen. Welcher Antriebsstrang nun das Rennen in der Zukunft machen wird, ist noch lange nicht entschieden, schätzt Schreiner. Auch wenn Verbrennungsmotoren aufgrund des Umweltgedankens rückläufig sind, habe die Formel 1 noch immer ihre Berechtigung. War es zu Beginn der Formel 1 der reine Enthusiasmus, der Konstrukteure und Fahrer Kopf und Kragen riskieren ließ, so können heute durchwegs viele Erkenntnisse für den Personenkraftwagen genutzt werden.

      Steht nun die Technik im Vordergrund der Formel 1, waren es noch bis in die 1990er Jahre eher die Fahrer, die von den Fans unter anderem aufgrund der körperlichen Anstrengung zu Helden wurden. Immer wieder kam es vor, dass sie völlig erschöpft vom Siegertreppchen stürzten. Ein aktueller Formel 1-Fahrer müsse dafür konzentrierter sein als damals, weil er mehr geistige Aufgaben zu bewältigen habe, erklärt Schreiner. Der Reiz am Piloten geht allerdings mehr und mehr verloren. Wenn heutige Fahrer aussteigen, sind sie nicht verschwitzt. Im Grunde sieht man es ihnen nicht an, dass sie eineinhalb Stunden unter vollster Anspannung ihre Runden gedreht haben.

      Auch die Möglichkeiten, in die Formel 1 zu kommen, haben sich verändert. Heute ist hauptsächlich das Sponsor-Geld entscheidend, mit dem sich ein junges Talent von anderen abheben kann. Um wieder mehr Fahrern eine Chance zu geben, wurde von der FIA eine Stiftung gegründet. Bereits anfangs der 1990er Jahre, als Schreiners Söhne Christian und Michael im Kartsport mit späteren Formel 1-Größen wie Fernando Alonso oder Lewis Hamilton gefahren sind, standen sie vor der Entscheidung, ob sie in die Königsklasse des Motorsports kommen wollen. Sie entschieden sich für eine risiko-ärmere Berufs-Laufbahn, in der sie auch erfolgreich wurden.

      Schreiner selbst war ab 1972 30 Jahre lang als Fahrer im Rennsport tätig. Seine Karriere begann in Italien, wo er studierte und danach Schritt für Schritt die Rennsport-Stufenleiter hinaufgestiegen war. Mitte der 1990er Jahre, kurz vor Beendigung seiner aktiven Rennfahrerlaufbahn, wurde Schreiner Fahrervertreter und fand dadurch den Weg zur FIA. Besonders engagierte sich Schreiner für die Sicherheit im Kartsport, denn hier legen bereits Kinder den Grundstein ihrer Karriere, betont der Zivilingenieur. Fasziniert am Motorsport hat den Linzer neben der Technik vor allem die Geschwindigkeit. Der Gefahr, der sich ein Motorsportler aussetzen muss, war sich Schreiner stets bewusst, sagt er.

      Offene Fragen

      Zurück zum Formel 1 – Auftakt 2020 in Spielberg: Kann es heuer, aufgrund der zahlreichen Rennabsagen, überhaupt einen würdigen Champion geben? Oder wird der erfolgreichste Fahrer dieses Jahres als Corona-Weltmeister in die Geschichte eingehen? Viele Fragen sind offen. Vor allem, wie es um das Interesse der Zuschauer vor den Fernsehschirmen steht. Wird es wieder Mercedes sein? Ferrari oder Red Bull oder gar ein anderes Team, das siegen kann? Heuer sind noch viele Fragen offen, so Franz Schreiner, der Formel 1-Sicherheitsexperte aus Linz.

                                                                                                                                                             (Peter Pohn)

    • Einst waren Ulli Bäer, Gary Lux, Harald Fendrich und Harry Stampfer die ersten Begleitmusiker von Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros und Georg Danzer in der Supergroup „Austria 3“.

      Nach dem Ende von „Austria 3“ fanden Ulli, Harald, Gery und Harry wieder zusammen und gründeten „Wir 4“. „Noch Vuan“ lautet der Titel des Debüt-Albums, es kam 2014 auf den Markt.

      In dieser Sendung hören Sie Interviews mit den Bandmitgliedern und einige Anspieltipps aus dem aktuellen Album „Noch Vuan“.

      Initiative für Obdachlose

      Die Geschichte der Band beginnt 1997, als Rainhard Fendrich gemeinsam mit Wolfgang Ambros und Georg Danzer den Verein „Initiative für Obdachlose“ gründet. Um für Bedürftige ein Seniorenheim errichten zu können, sollen mit Hilfe einer Gala Spenden gesammelt werden.

      Wer bei diesem Benefiz-Event auftreten wird, bleibt lange unklar. Schließlich beschließen Ambros-Danzer-Fendrich miteinander zu singen. „Austria 3“ ist somit geboren.

      Die Band entwickelt ein Programm, das dreieinhalb Stunden dauert. Am 10. Dezember ´97 ist es dann soweit: Im ausverkauften Theater an der Wien tritt Austria 3 erstmals auf. Das Gala-Konzert wird zum großen Erfolg. Mit dem Erlös aus diesem Event kann ein Haus in der Leopoldauerstraße zum ersten Seniorenheim für Obdachlose adaptiert werden.

      A 3 geht auf Tour

      Unter den Zuschauern befindet sich auch der deutsche Konzert- und Tourneeveranstalter Fritz Rau. Ihm gelingt es, das Trio zu überzeugen, eine Tournee in Deutschland und Österreich zu starten. Ambros, Fendrich, Danzer sagen zu und engagieren jene Band, die bereits im Theater an der Wien dabei war.

      Die erste A 3-Tournee dauert drei Monate. In dieser Zeit werden 40 Konzerte gespielt. Höhepunkt ist im Juni ´98 der Auftritt beim Wiener Donauinselfest. Das Publikumsinteresse war enorm, erinnert sich Ulli Bäer. Weitere Höhepunkte in dieser Zeit sind die Veröffentlichungen zweier Live-Alben, die Gold und Platin einbringen. Anfang Juli ´98 schaffen „Austria 3″ was in Österreich bis zu diesem Zeitpunkt noch keinem Musiker gelungen ist: Sie belegen mit beiden CDs die Plätze eins und zwei der „Austrian Top 40“. Außerdem füllt die Supergroup viermal hintereinander die Wiener Stadthalle bis auf den letzten Platz: Eine weitere Pionierleistung. Insgesamt sehen auf der Tour 100.000 Besucher das Erfolgs-Trio. Dafür bekommen sie die goldene Eintrittskarte verliehen.

      Gary Lux hat dank Ambros-Danzer-Fendrich während der Austria 3-Zeit viel Wiener Schmäh inhaliert, erzählt er. Für den gebürtigen Kanadier, der mit dem Dialekt weniger vertraut war, eine sehr lehrreiche Lebens-Phase. Außerdem wurden Freundschaften geschlossen.

      „Schau nur noch vurn“: Von A3 zu Wir 4

      Nachdem die Band in den kommenden Jahren immer wieder Abschiedstourneen spielt, sich bald darauf aber wieder dazu entscheidet, auf kleine Sommer-Tourneen zu gehen, ist Ende Juli 2006 endgültig Schluss. Kurz darauf gibt Georg Danzer bekannt, dass er an Lungenkrebs erkrankt ist. Als er am 21. Juni 2007 stirbt, muss mit dem Sänger auch ein bereits geplantes „Austria 3“-Comeback zu Grabe getragen werden. Die original A 3-Begleitband spielt danach immer wieder mit verschiedenen Austropop-Interpreten Konzerte, was allerdings nicht sehr zufriedenstellend verläuft, erinnert sich Harry Stampfer. Deshalb kommt es zur Gründung von „Wir 4“.

      Kurze Zeit nach den ersten „Wir 4“-Konzerten verlangen Fans bereits nach einem Album mit neuen Liedern. Die CD „Noch Vurn“ wird dann prompt produziert. Doch nicht nur das Publikum hat mit den neuen „Wir Vier“-Songs Freude. Es ist auch das Bedürfnis der einzelnen Bandmitglieder, Lieder zu schreiben, erklärt Harry Stampfer.

      Die Zeit, neue Lieder einzuspielen drängt, denn Sponsoren haben den Veröffentlichungstermin des Albums schon festgelegt. Die Produktion der Titel muss daher sehr schnell zum Abschluss gebracht werden. Und es war gut so, meint Harry, denn Zeitdruck erhöht in manchen Fällen den kreativen Output.

      Authentisches, Alltagserfahrungen und Kritik

      Die Lieder auf dem aktuellen „Wir 4“-Album bestechen durch ausgereifte Arrangements und Texte, die jede Menge Lebenserfahrung beinhalten. Harry Stampfer zeichnet in „Durt wo immer Summa is“ ein Stimmungsbild eines möglichen Ausstieges aus der sogenannten „Hektomatikwelt“. Das Lied entstand in Griechenland.

      Mit dem Opener „Herr Präsident“ steuerte Ulli Bäer ein Polit-Lied bei, das beim Sänger und Gitarristen der Band schon einige Zeit in der Schublade gelegen ist. Als dann dringend Titel für das Debüt-Album gebraucht werden, kramt es Ulli heraus. Der Song stammt aus dem Jahr ´89, also jener Zeit, in dem der „Eiserne Vorhang“ fiel. Thematisiert wird die damals ungewisse Zukunft Europas. Traurig stimmt Bär die Aktualität dieses Liedes.

      Bassist und Sänger Harald Fendrich war viele Jahre an Produktionen von Songs seines Bruders Rainhard Fendrich beteiligt. Seine Erfahrung lässt er nun in die Band „Wir 4“ einfließen. Zwischen Idee und fertigem Text liegen bei Harald oft nur ein paar Stunden. Auch wenn es schnell gehen muss, darf die Song-Qualität darunter nicht leiden, ist er überzeugt. In seinen Liedern thematisiert Harald Fendrich immer wieder gescheiterte Beziehungen.

      Das Leben an der Seite eines Musikers ist nicht immer einfach, weiß Gery. Die vielen Auftritte, die zu bewältigen sind, um überleben zu können, belasten meist die Beziehung. In „Ois wiad guat“ bedankt er sich bei seiner Partnerin für ihr Verständnis.

      Wolfgang Ambros als Gastsänger oder „Wir 4 plus Eins“

      Für das Lied „Respekt“, ebenfalls aus der Feder von Gary Lux, konnte Wolfgang Ambros als Gastsänger gewonnen werden. „Es ist ein tolles Erlebnis und Aufwertung der Produktion, wenn man mit Wolfgang singt“, meinen Harald Fendrich und Ulli Bäer. Ursprünglich hat Gary sein Lied „Respekt“ dem bekannten Wiener Volksschauspieler Götz Kaufmann gewidmet, der mit seiner Verkörperung des Kurti Blahovec in „Ein echter Wiener geht nicht unter“, bekannt wurde. In den letzten Jahren ist der Austropop-Kaiser vermehrt bei Konzerten mit der Band unter dem Motto „Wir 4 plus eins“ aufgetreten.

      Mittlerweile ist der Terminkalender von „Wir 4“ prall gefüllt. Kein Wunder, denn wer ein „Wir 4“-Konzert besucht, bekommt ein stimmungsvolles Live-Programm mit tollen Musikerpersönlichkeiten. Die Spiellaune ist ungebrochen, meint Harald.

      Weitere Informationen über die Band, Videos sowie sämtliche Tourneetermine finden Sie auf der „Wir 4“- Homepage unter www.wirvier.at.

       

       

       

       

    • Mit Udo Huber, Rudi Nemeczek, Reinhold Bilgeri, Klaus Prünster und der Linzer Kultband „Superfeucht“ blicken wir auf die 80er Jahre und ihrem Protagonisten „Falco“ zurück. Die Interviews entstanden während des ersten 80s-Revival 2017 am Linzer Pfarrplatz, organisiert von der Linzer Kultband „Superfeucht“. In den 80er Jahren hatte die Band einige große Hits: Mit „Jetzt oder nie“ oder „Der erste Schritt“ waren sie mehrere Wochen in den Charts von Ö3. 1985 spielte Superfeucht im Vorprogramm von Falcos Europatournee „Amadeus“.

    • Mit „Heast!“, das ist der Titel ihres Debüt-Albums, wollen die „Wödmasta“ aus Wien auf sich aufmerksam machen. Am 31. Jänner 2020 werden sie „Heast!“ in der Wiener Kulisse vorstellen. Dazu gehen die Singer-Songwriter Roland Vogl und Dietmar Baumgartner auf Winter-Tournee.

      2016 haben sich die Uralt-Freunde Baumgartner und Vogl zufällig im Sektor E des Wiener Ernst Happel-Stadions getroffen und spontan beschlossen, gemeinsam „Wödmasta“ zu werden. Als Mini-Mannschaft ist nun der Anick erfolgt. Gemeinsam wollen sie am Erfolg arbeiten, denn besser geht es „Mitanaund“. So lautet auch ein Titel auf ihrem neuen Album. Darin verbirgt sich auch eine Art Kritik am aktuellen Zeitgeist, was Egoismus betrifft, sagt Roland. Wenn zum Beispiel bei Kindergeburtstagen anstatt zu spielen, einsam über Smartphones gewischt wird, ist es höchste Zeit, ein leidenschaftliches „Mitanand“ entgegenzusingen, meinen die Wödmasta.

      Lieder über Alltagserfahrungen, Kultfiguren, Außenseiter und ihre Schicksale

      In den 90er Jahren schaffte es Roland Vogl als Sänger der Grunch-Band „Ballyhoo“ auf die Playlist der Musiksender MTV und VIVA. Aktuell ist der Floridsdorfer Backliner und Multiinstrumentalist bei den Wolfgang Ambros Pur-Konzerten. „Wödmaster“-Partner Dietmar aus Kärnten ist einst nach Wien gekommen, um in der Bundeshauptstadt Musik zu studieren. Hier war es für ihn anfangs nicht einfach Fuß zu fassen, erzählt er. Später ging Dietmar mit Peter Cornelius auf Tournee und schloss sich der Meidlinger Rock-Formation „Alkbottle“ an. Seine über die Jahre gesammelten Eindrücke hat er im Lied „Wien“ verarbeitet. Der Text dazu ist eine Mischung aus Klischee und Realität. Für Dietmar sind es vor allem die Menschen, die den Unterschied ausmachen. Denn ähnliche Geschäfte oder Konzerne haben sich bereits in sämtlichen Großstädten angesiedelt. Roland hat als DJ in einigen Wiener Lokalen gearbeitet. Auch seine Eindrücke, gespickt mit Ratten und Urin, stecken im Lied „Wien“. Roland und Dietmar schreiben also Lieder über Alltagserfahrungen, Kultfiguren, Außenseiter und ihre Schicksale. Für die „Wödmaster“ sind Lebenserfahrungen gepaart mit Beobachtungen wichtige Inputs für ihre künstlerische Arbeit. Auch wenn genau hingesehen werden muss, meinen die Wödmasta, denn Originale werden immer weniger oder sie verändern sich. Eines ist aber klar: Sie geben viel Stoff her.

      Musikalische Einflüsse

      Pop und Punk-Musik aus England bezeichnet Roland als seinen wichtigsten musikalischen Einfluss. Dietmar steht auf Rock. Gemeinsam sehen sich die „Wödmasta“ allerdings als Vertreter der Österreichischen Popmusik in der Tradition der Singer-Songwriter. Die Musik ihrer Jugend spielt bei den Wödmastan bis heute eine große Rolle. Auf der EP „No na ned“, die als Vorbote zum Album „Heast!“ erschienen ist, wurden die Covers „Foischer Tram“ und „I wü di, Du wüst mi“ veröffentlicht. Hinter „Foischer Tram“ versteckt sich „Tainted Love“ von Soft Cells und aus „I want you to want me“ von Cheap Trick wurde „I wü di, du wüst mi“.

      Keine sichere Existenz

      In den verschiedensten Formationen haben Roland und Dietmar die Härten des Musik-Business kennen gelernt. Nach dem Aus von Rolands Band „Ballyhoo“ die ihn in den 90ern kurzfristig zur Stimme der österreichischen Gruch-Szene machte, wechselte er auf die andere Seite des Musikbusiness und betreute den sogenannten Austropop-Adel: Falco, Rainhard Fendrich, die EAV, aber vor allem und bis zum heutigen Tag, Wolfgang Ambros. Dietmar wurde Musikproduzent. „Man muss Kompromisse eingehen, um als Musiker überleben zu können“, erklärt er. Es soll aber nicht der kommerzielle Sicherheitsgedanke sein, der einem bei einer Gruppe hält, so Dietmar. Andernfalls würde darunter die künstlerische Entwicklung leiden. Projekte müssten daher auch von Idealismus getrieben sein. Auch wenn Roland und Dietmar mit den „Wödmastan“ noch am Anfang ihrer gemeinsamen Karriere stehen, haben sie mit dem Projekt große Freude. „Sie hätten bereits den Zug zum Tor entwickelt“, meinen sie.

      „Wir wollen keine Stars sein“

      Die „Wödmasta“, beide über 50 Jahre alt, wollen Spaß an ihrer Musik haben und davon leben können. Starruhm steht dabei nicht im Vordergrund, meint Roland. Musik zu machen sehen die „Wödmasta“ als Privileg an. Vor Tausenden von Fans aufzutreten würden sie aber nicht brauchen, um sich selbst etwas zu beweisen. Roland hat ja als Künstlerbetreuer erlebt, wie schwierig es ist, sich als Star normal in der Öffentlichkeit zu bewegen.

      Weitere Informationen über die Wödmasta und sämtliche Termine können Sie auf der „Wödmasta“-Homepage unter www.diewoedmasta.com nachlesen.

                                                                                                                                                                                                              (Peter Pohn)

       

       

       

       

    • In dieser Sendung stellt der Musiker, Literat und Filmemacher Reinhold Bilgeri seinen Film „Erik und Erika“ vor und spricht über seine bisherige Karriere. Dazu hören sie Hauptdarsteller Markus Freistätter.

      1968 hat der ÖSV versucht, den Fall „Erika Schinegger“ zu vertuschen. Der frühere Hitparadenstürmer und heutige Filmemacher Reinhold Bilgeri hat sich dieses Themas angenommen und daraus einen Film gemacht. In „Erik und Erika“ erzählt er das schwierige Leben des Erik Schinegger, der 1966 als Mann Weltmeisterin in der Abfahrt wurde.

      Vor den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble wurde bei einem medizinischen Test festgestellt, dass die Abfahrtsweltmeisterin Erika Schinegger genetisch ein Mann ist. Schinegger, dessen Geschlecht aufgrund nach innen gewachsener Geschlechtsteile jahrelang nicht richtig identifiziert worden war, entscheidet sich zu einer Operation und der Änderung seines Vornamens von Erika in Erik.

      Für Schinegger ist dies der Beginn eines langen körperlichen aber vor allem seelischen Leidenswegs.

    • Wie betreffen uns historische Ereignisse noch heute?
      Welche Lehren können wir aus Ereignissen, die Geschichte machten für unser heutiges Leben ziehen?

      Am Beispiel der österreichischen und deutschen Geschichte der 1920er und 30er Jahre kann belegt werden, wie vorwiegend materielle Not Menschen hörig machen kann: Weite Teile der österreichischen und deutschen Bevölkerung wurden Werkzeuge für einen Führer, dem das persönliche Machtstreben ein vorrangiges Ziel war. Mittels gezielter Propaganda schaffte es das NS-Regime den Großteil der Menschen im Deutschen Reich von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen.

      In diesem „Vordergründig-Hintergründig-Spezial“ hören Sie eine szenische Lesung aus der Buchdokumentation „Als das große Unheil begann“. Anlass ist der Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939, also vor 80 Jahren. Jene Menschen, die in diesem Buch ihre Erlebnisse schildern, stammen aus der Gegend des südlichen Hausruckviertels in Oberösterreich. Aufgrund ihrer Großindustrieanlagen, wie die heutige Lenzing AG, die ehemalige Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG sowie die Brauerei Zipf hatte diese Region wechselvolle Epochen der Zeitgeschichte zu meistern. Heute sind jene Zeitzeugen, die ich zu ihrem Leben in der NS-Diktatur befragt habe, allesamt nicht mehr am Leben. Sie sind in den 1910er und 20er Jahren geboren. Liane Locker und Eugen Victor werden sie deshalb ihrer Stimme wieder zum Leben erwecken.

      Österreich ist heute ein freier Staat, an dessen Existenzfähigkeit seine Bewohner glauben. Das war aber nicht immer so und das regt zu folgender Überlegung an:

      Musste Österreich nach dem Ersten Weltkrieg erst die Drangsale der Ersten Republik, des Ständestaates sowie den Anschluss an Hitler-Deutschland erdulden, um endlich von seinen Bewohnern akzeptiert zu werden?
      Diese Frage bildet den „roten Faden“, der sich durch das Zeitzeugenprojekt zieht. Im Vordergrund stehen dabei Menschen, die eine Generation vertreten, welche innerhalb von rund 20 Jahren große Opfer bringen mussten, um den Zweiten Weltkrieg und den darauf folgenden Wiederaufbau bewältigten zu können. Am Beispiel der österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts kann somit belegt werden, wie unter anderem materielle Not und das daraus resultierende Elend Menschen formen kann: Sie wurden Werkzeuge für Potentaten, denen das persönliche Machtstreben ein vorrangiges Ziel war.

      Buchbestellung:

      „Als das große Unheil begann“ kann unter 0664 4823756 oder peter.pohn@hotmail.com bestellt werden.

       

    Vordergründig – Hintergründig
    Peter Pohn präsentiert im Rahmen der Porträtreihe „Vordergründig-Hintergründig“ Personen, die eine besondere Eigenschaft besitzen oder ein besonderes Hobby betreiben. In Bezug auf prominente Künstler soll verstärkt das Werk betrachtet bzw. hinterfragt und auf vielleicht weniger bekannte Facetten hingewiesen werden. Bei Sportlern wird verstärkt der Umgang mit Niederlagen, Motivationsproblemen, immer wieder ans Limit gehen zu müssen bzw. Durchhaltevermögen thematisiert.
    Bei dieser Podcast-Serie handelt es sich um einen externen Inhalt. Diese Podcast-Serie ist kein offizielles Produkt von meinmusikpodcast.de. Äußerungen der Gesprächspartner und Moderatoren geben deren eigene Auffassungen wieder. meinmusikpodcast.de macht sich Äußerungen von Gesprächspartnern in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
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