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    Vordergründig – Hintergründig

    Sänger Waterloo feiert 75. Geburtstag

    15. November 2020

    2019 hat der Oberösterreicher mit „Alles Leben dieser Erde“ sein bereits 35. Studioalbum auf den Markt gebracht. Es beinhaltet zahlreiche neue Songs aber auch Neuaufnahmen seiner größten Hits.


    Das Interview mit Waterloo entstand in seinem Geburtsort Altheim, im oberösterreichischen Bezirk Braunau. Hier ist er als Geburtstagüberraschung für einen langjährigen Fan gebucht worden. Egal ob Konzertsaal oder Geburtstagsfest im Gasthaus, dem Sänger ist keine Location zu groß oder zu klein. Noch immer hat der gebürtige Innviertler  100 Auftritte pro Jahr.


    Rund vier Stunden ist Waterloo von seinem neuen Wohnort Mörbisch nach Altheim gefahren. Mit im Gepäck hat er natürlich sein aktuelles Album „Alles Leben dieser Erde“.


    Es ist ein starkes Statement für Frieden, Freiheit, Respekt und Verantwortung, erklärt Waterloo:


    Knapp zwei Jahre hat es gedauert, bis das neue Album fertig war. Inspirationen für seine neue CD hat Waterloo auf zahlreichen Reisen sowie durch seine bewusste Lebenseinstellung gesammelt. Einige Songs wurden von Musiker-Kollegen wie Klaus Pruenster, Gary Lux oder „Supermax“ Kurt Hauenstein beigesteuert. Hauenstein schrieb zum Beispiel den Titelsong „Alles Leben dieser Erde“. Produziert wurde das Album im PlanetM Studio von Martin Seinmen und Gery Moder in Traun, nahe Linz.


    Über 50 Jahre dauert die musikalische Karriere des Oberösterreichers bereits an. Der Startschuss dazu erfolgte in Altheim, wo noch heute einige Familienmitglieder leben. Und zwar Cousinen, ein Onkel und die mittlerweile 95-Jährige Mutter. Zeit für einen Besuch der Verwandtschaft bleibt im Zuge seines Gastspiels im Innviertel allerdings keine.


    Seinen Vater bezeichnet der heute 75jährige Sänger als seinen besten Lehrmeister. In den frühen 60er Jahren durfte ihn der junge Hansi auch einmal nach Linz begleiten.


    Doch Vater Kreuzmayr will nicht nur, dass sein Sohn um Zigaretten einen weiten Bogen macht. Er versucht, seinem Sohn auch eine wertschätzende Behandlung von Frauen zu vermitteln.


    Waterloos Vater ist es auch noch vergönnt, den Aufstieg seines Buben zum internationalen Star mitzuerleben. Er stirbt 1976, also im selben Jahr, in dem „Waterloo und Robinson“ beim Song Contest für Österreich den 5. Platz holen. Noch bevor sich der große Erfolg eingestellt hat, mahnt  der Vater seinen Sohn, er möge doch auch einen Brotberuf ergreifen.


    Dem Vater gehorchend, wird Hans Kreuzmayr Tischler, Innenarchitekt und später Kaufmann. In seiner Freizeit macht er bereits Musik und hat zahlreiche regionale Auftritte. Nach seiner Zeit in der Möbelbranche führt Hans ab 1969 in Linz die Damenboutique „Eclisse“. Das Geschäftslokal dafür findet er unmittelbar nach seiner Kündigung als Raumgestalter am Linzer Hauptplatz. Noch am Abend der Kündigung mietet er das Lokal.


    Auf der Suche nach Mitarbeitern für seine Damenboutique lernt der Sänger seinen langjährigen Gesangspartner Sepp Krassnitzer kennen. Der spätere Robinson lässt sich zu dieser Zeit gerade zum Grafiker ausbilden.


    Gemeinsam gründen sie die Band „Waterloo & Robinson“. Daneben wird die Auslage dekoriert. In Waterloos damaligem Wohnhaus entstehen die ersten Songs, die Ö3 vorerst aber ablehnt.


    Es handelt sich dabei um die damalige Ö3-Moderatorin Evamaria Kaiser, die anfangs der 70er Jahre österreichische Musiker fördert. 1971 folgt dann der Durchbruch: Waterloo und Robinson gelingt mit „Du kannst sehen“, einem Lied über ein blindes Mädchen, der erste Hit in Österreich. Daraufhin lädt Evamaria Kaiser die beiden in ihre Sendung „Show-Chance“ ein.


    „Du kannst sehen“,  mit diesem Lied belegen Waterloo und Robinson den dritten Platz bei der ORF Talente-Show „Show-Chance“ und werden mit ihrem ersten Hit zu Mitbegründern des sogenannten „Austropops“. Es folgt „Lili’s Haus“ und mit „Baby Blue“ der erste Europa-Hit.


    Bald wird auch der Komponist Christian Kolonovits auf das Pop-Duo aufmerksam. Er schreibt und produziert mit „Waterloo und Robinson“ den Welthit „Hollywood“. In Österreich belegen die beiden Sänger ab Juni 1974 mit „Baby Blue“ und „Hollywood“ bis Ende des Jahres abwechselnd die Plätze 1 und 2 der Ö3-Hitparade, die damals noch eine Postkarten-Hitparade ist.


    Da die Fans unermüdlich Postkarten für „Waterloo und Robinson“ an die Ö3-Hitparade senden, schafft Ö3 mit Beginn 1975 die Hitparade ab.


    Erst 1980 kommt die Wertung mit verändertem Reglement zurück. „Unsere Musik war handgemacht“, erinnert sich Waterloo noch heute gerne an diese Zeit zurück.


    Der große Erfolg stellt Hans Kreuzmayr vor eine schwierige berufliche Entscheidung. Neben seinem musikalischen Aufstieg ist er auch als Geschäftsmann erfolgreich.


     1976 folgt der erste große internationale Show-Auftritt: Waterloo und Robinson vertreten Österreich mit „My little world“ beim Song Contest in Den Haag. Neben dem Lied ist vor allem ihre damalige Kleidung in Erinnerung geblieben.


     „My Little World“ enthält eine musikalische Botschaft, die noch heute Gültigkeit hat, so Waterloo.


     Nach dem Song Contest verlagert sich der Erfolg immer mehr nach Deutschland. Als zum Beispiel 1979 „Ich denk noch oft an Marianne“ erscheint, bleibt dieses Lied in Österreich relativ unbeachtet. In Deutschland erreicht der Song über Prostitution hingegen bald Gold-Status. In dieser Zeit sind „Waterloo und Robinson“ auch Dauergäste in den großen Abendshows von Peter Frankenfeld, Vico Torriani, Lou van Burg oder Hans Rosenthal. Besonders Dieter Thomas Heck, der ZDF-Hitparaden-Kultmoderator, fördert die beiden.


    Hauptsächlich singen „Waterloo und Robinson“ in englischer Sprache. Nicht zuletzt weil sie RCA Records unter Vertrag genommen hat. Ebenfalls werden zu diesem Zeitpunkt die Platten von Harry Belafonte, David Bowie oder Elvis Pressley von dieser Plattenfirma vermarktet.


    Der Erfolg ist damals nicht die große Motivation weiterzumachen, vielmehr ist es die Freude an der Musik.


    1979 nehmen „Waterloo und Robinson“ für Ö3 den Jingle zur Ferien-Sendung „Radio Holiday“ auf, der bis heute gespielt wird und im Laufe der Zeit Kultstatus erreicht hat. Doch ab Anfang der 80er Jahre bleiben in Österreich für Kreuzmayr und Krassnitzer die Erfolge aus, was zu Unstimmigkeiten führt.  Es wird auch über einen Wechsel des Musikstils diskutiert.


    Versuche im Stile der österreichischen Singer-/Songwriter Erfolge einzufahren, scheitern.


    1981 trennt sich das Pop-Duo. Hans Kreuzmayr findet nach der Trennung von Waterloo & Robinson mit „Im Land das Ewigkeit heißt“, wieder den Weg auf die Erfolgsspur, auch in die heimischen Charts. Der Song ist ein Cover des Vangelis-Hits „I´ll find my way home“.


    „Im Land das Ewigkeit heißt“, Waterloos Comeback-Hit aus 1982. Eine Neuaufnahme befindet sich auf seinem aktuellen Album „Alles Leben dieser Erde“. Anfang der 80er Jahre folgen mit „Freiheit“ oder „Impossible Dream“ weitere Hits. In Deutschland erhält er als erster Österreicher eine Auszeichnung als bester deutscher Sänger. In den 80er und 90er Jahren tritt Waterloo vermehrt auch hinter dem Eisernen Vorhang auf. In der DDR spielt er sogar mit Big Band.


    So erfolgreich er im Beruf auch ist, privat muss Hans eine Niederlage wegstecken. Auch seine zweite Ehe geht in die Brüche.


    Doch 1999 lernt Waterloo seine dritte Ehefrau kennen. In dieser Zeit verkörpert er gerade bei den Karl-May-Festspielen in Winzendorf den Winnetou.


    Die Verwandlung von Waterloo in Winnetou wird zu einem großen Erfolg, obwohl ihm Kritiker anfangs nicht zutrauen, spektakulär reiten zu können. Doch gerade die Zeitungsartikel sind es, die viele Zuschauer auf das Festspielgelände locken.


    Anfang der 90er Jahre bekommt Waterloo auch die Gelegenheit, einige Zeit in einem Indianer-Reservat in Nordamerika zu verbringen, was seine weitere Musik stark beeinflusst. Es folgen seine „indianischen“ Alben.


    Neben den musikalischen Inspirationen wird durch Waterloos Erlebnisse bei den Indianern auch seine Liebe zur Natur verstärkt.


    „Reservation Cowboy“, ein Titel aus Waterloos Album „Indian Summer“ aus dem Jahre 2012. Neben indianischen Lebenswelten haben es Kreuzmayr auch die Menschen in Afrika angetan. Seinen aktuellen Wohnort in Mörbisch nennt er deshalb gerne „Little Africa“. Hier lebt er gemeinsam mit Frau Andrea in seiner „eigenen kleinen Welt“.


    Hans Kreuzmayr, alias Waterloo ist Vater von 5 Kindern. Außerdem hat er mit Dana eine Enkeltochter, die ihn bereits zum Urgroßvater gemacht hat. Seine Freiheitsliebe versucht er seinen Nachkommen weiterzugeben.


    Waterloo macht die Musik, die ihm gefällt, auch wenn er damit nicht mehr so wie einst Millionen von Tonträgern verkauft. Seine Freiheitlebt er auch in seinem Aussehen aus.


    Anerkennung kommt mittlerweile auch aus der Politik: 2018 wird Waterloo von Landeshauptmann Thomas Stelzer die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich verliehen. Doch im Vordergrund stehen für den Sänger Publikumspreise. So erreicht Waterloo Platz 4 bei Dancing Stars. Diesen Erfolg hat er fast ausschließlich dem Publikums-Voting zu verdanken. Privat steht seine Familie voll hinter ihm, besonders Gattin Andrea. Geheiratet wurde auf indianisch. „Das schweißt zusammen“, ist sich der Sänger sicher.


    Waterloo ist also privat wie auch beruflich erfolgreich. Doch was ist in der Zwischenzeit aus „Waterloo und Robinson“ geworden? 2002 haben die beiden ein Cover des Opus-Hits „Live is Life“ auf den Markt gebracht und sind damit für sieben Wochen in den österreichischen Charts gelandet. Doch Mitte 2007 ist ihr Comeback schon wieder vorbei. 2015 kommt es im Rahmen des in Wien ausgetragenen Eurovision Song Contests noch zu einigen Spezial- und Fernsehauftritten.


    Solo möchte Waterloo also auch noch in den kommenden Jahren auf der Bühne stehen.


    Ja, und damit sind wir am Ende eines vordergründig-hintergründigem Porträts über den Sänger Waterloo. 2019 hat er mit „Alles Leben dieser Erde“ sein bereits 35. Studioalbum herausgebracht und am 27. November 2020 feiert er seinen 75. Geburtstag.  Weitere Informationen über Waterloo erhalten Sie auf der Homepage des Sängers unter www.waterloo.at.


    (Peter Pohn)


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